Mein Mann Dennis und ich hatten unseren Ruhestand jahrelang geplant. Lange Ausfahrten ohne festes Ziel. Ein richtiger Gemüsegarten. Entspannte Sonntagmorgen. Und vor allem: die Großeltern zu sein, von denen wir unseren drei Enkeln immer geträumt hatten.
Der Bandscheibenvorfall wurde drei Monate nach meinem letzten Arbeitstag diagnostiziert. Ich hatte mich beim Heben einer Umzugskiste verhoben — und wenige Tage später wurde mir die Diagnose gestellt: Bandscheibenvorfall L4/L5. Aber die Wahrheit ist: Die Bandscheibe war schon lange vorher kaputt. Der Umzugskarton war nur der letzte Tropfen.
Mein Orthopäde sagte: „Kleiner Vorfall, das operieren wir noch nicht. Erst mal konservativ vorgehen.“ Ich kannte den Satz. Ich hatte ihn oft genug gehört. Ich sagte mir: Das legt sich wieder.
Es legte sich nicht.
Innerhalb von sechs Wochen hatte der Schmerz eine Qualität angenommen, die kein MRT-Bild vermitteln kann. Ein brennender, elektrischer Strom, der dort begann, wo die Bandscheibe auf den Nerv drückte — L4/L5, das wusste ich jetzt — und durch meine linke Hüfte zog, die Rückseite meines Oberschenkels hinunter und bis in die Wade strahlte. In der Fachliteratur heißt das „Nervenkompression“. Als ich selbst nachts auf dem Schlafzimmerboden lag, merkte ich zum ersten Mal, wie unzureichend dieses Wort ist.
Manche Morgen waren so schlimm, dass ich nicht ohne Stöhnen aufstehen konnte. Ich saß dann auf der Bettkante, die Hände am Rahmen, und wiegte mich langsam vor und zurück, um genug Schwung zu sammeln, um mich hochzustemmen.
Meine Enkelin Emma sah das eines Morgens. Sie war vier Jahre alt. Sie schaute mich mit diesen großen, ernsten Augen an und fragte: „Oma — bist du kaputt?“
Ich sagte ihr: Nein, Schatz. Oma ist nur ein bisschen steif.
Aber später in der Nacht, als Dennis schlief, stand ich in der Küche und weinte zwanzig Minuten lang. Denn die ehrliche Antwort — die, die ich einem Kind nicht geben konnte — war: Ich weiß es ehrlich gesagt selbst nicht.